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GesellschaftTatjana Kiel

Tatjana Kiel

CEO Klitschko Ventures, CEO #WeAreAllUcranians gGmbH
https://www.weareallukrainians.de/ sowie Co-Autorin “Bullshit-Bingo”

Ich träume von einer Gesellschaft, die zusammenwächst, weil sie ihr Wissen teilt. Wir leben in einer Welt, in der alles vorhanden ist. Wir haben genug zu essen und zu trinken – die Verteilung ist das Problem. Aus diesem Grund haben wir bei score4impact eine Matchmaking-Plattform für Produktspenden aufgesetzt, um den tatsächlichen Bedarf mit Spenden aus Produktüberschüssen abzugleichen und Spenden bedarfsorientiert und schnell zu verteilen.

Bei der Arbeit für unsere Hilfsorganisation #WeAreAllUkranians haben wir gelernt, dass menschliche Emotionen, Missverständnisse und Sprachbarrieren die Effektivität der zu leistenden Hilfe erheblich verringern. Die Frage ist also: Wie können wir KI hier bestmöglich einsetzen? Dabei geht es nicht darum, wie in einem Supermarkt eine Liste von Wünschen abzuarbeiten, sondern darum, den tatsächlichen Bedarf zu verstehen. Menschen in der „heilen Welt“ möchten helfen und glauben oft schon zu wissen, was gebraucht wird. Doch häufig entspricht das nicht der Realität. Es ist entscheidend, Bedarfe automatisiert und präzise zu ermitteln, um gezielt helfen zu können.

Ein Beispiel ist der Einsatz von KI in Krisengebieten wie der Ukraine. Dort wird KI verwendet, um Leben zu retten. Auf der Basis von Daten darüber, welche Menschen in welchen Gebäuden leben, welche öffentlichen Einrichtungen und Schutzräume es gibt und welche Umweltbedingungen herrschen, können beispielsweise Warnungen ausgegeben werden, wenn die Luftqualität schlecht ist, Evakuierungspläne erstellt und Menschen im Falle von Überschwemmungen oder Stromausfällen gewarnt werden. Dieses Wissen könnten und sollten wir global nutzen, um im Krisenfall besser vorbereitet zu sein. Leider sind wir oft zu sehr mit unseren eigenen politischen Themen beschäftigt, um das große Ganze zu sehen. Mein Wunsch ist es, dass wir uns gesellschaftlich und nicht nur politisch oder wirtschaftlich als eine Weltgemeinschaft begreifen, die sich gegenseitig unterstützt.

Die Veränderungen beginnen im Kleinen. Wir müssen bereit sein, über unsere eigenen Geschichten zu sprechen, um anderen Menschen zu helfen, aus unseren Erfahrungen zu lernen. In unserem neuen Buch „Bullshit Bingo – Was Frauen nicht mehr hören wollen“ haben wir Geschichten aus unserem Netzwerk versammelt. Geschichten, die oft sprachlos machen, weil sie zeigen, wie absurd manche Situationen noch immer sind. Solche Geschichten dürfen nicht anonym bleiben. Wir müssen uns mit dem eigenen Namen, dem eigenen Gesicht dazu bekennen, damit andere daraus lernen können. Wir müssen Mut zeigen, offen zu diskutieren, statt vorschnell zu bewerten oder in Schubladen zu denken, damit sich noch viel mehr Frauen trauen, ihre Erfahrungen und Lösungen miteinander zu teilen. Dieser Austausch auf Augenhöhe ist essenziell für eine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung.

Wenn wir aufhören, einander zu bewerten und stattdessen neugierig aufeinander zugehen, können wir echte Verbindungen schaffen. Es geht darum, andere so sein zu lassen, wie sie sind, und einen respektvollen Austausch zu führen. Augenhöhe bedeutet auch, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen und die Auswirkungen auf andere zu bedenken. Wir sind alle Teil eines Netzwerks, in dem jede Verletzung, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, Wellen schlägt. Statt uns mit Schuldzuweisungen aufzuhalten, sollten wir versuchen, Verletzungen zu verstehen und sie zu heilen.

Meine größte Angst ist, dass wir als Gesellschaft die Konsequenzen unserer Handlungen nicht vollständig begreifen. In geopolitischen Konflikten, wie in der Ukraine oder im Nahen Osten, gibt es oft versteckte Zusammenhänge und Einflüsse, die wir nicht ausreichend diskutieren. Stattdessen überlassen wir anderen das Feld, die falsche Propaganda verbreiten.

Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass wir offener werden. Dass wir nicht nur in Angst, sondern auch in Chancen denken. Selbst unvorhersehbare Ereignisse können positive Entwicklungen mit sich bringen, wenn wir bereit sind, sie mit einer offenen Haltung zu betrachten.

Am Ende ist es eine bewusste Entscheidung, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir müssen uns fragen, welche Entscheidungen wirklich wichtig sind und wie wir unser Leben wieder lebenswerter machen können. Das erfordert Mut zur Priorisierung und die Bereitschaft, sich von Unwichtigem zu lösen. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam die Welt ein Stück besser machen können – wenn wir bereit sind, unsere Perspektiven zu ändern und Verantwortung zu übernehmen.

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